Wir stehen uns selbst im Weg! Mein Fazit aus der gestrigen Speakers’ Corner

Der Fachkräftemangel ist eines der drängendsten Zukunftsprobleme in Deutschland. Schon jetzt gehen der deutschen Wirtschaft laut einer Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) 100 Milliarden Euro Wertschöpfung verloren. Auch unsere Sozialsysteme leiden und kritische Gesellschaftsfunktionen wie das Gesundheitswesen, die Pflege oder die Betreuung unserer Kinder kann wegen fehlender Fachkräfte immer schlechter gewährleistet werden. Wenn wir hier nicht entschieden gegensteuern, drohen diese gar zusammenzubrechen. Aufgrund der sogenannten doppelten Auswirkung des demographischen Wandels (Mehrbedarf an Fachkräften durch Alterung der Gesellschaft während es nicht genügend Nachwuchskräfte gibt), werden wir diese Lücke nur mit Zuwanderung füllen können. Es ist daher absolut entscheidend, dass Deutschland ein modernes, attraktives Einwanderungsland ist.  

Auch bei der Speakers‘ Corner in der Grünen-Geschäftsstelle in Eimsbüttel durfte ich gestern mit Bürger*innen über das Thema Fachkräftemangel und Fachkräftezuwanderung diskutieren. Die verschiedenen Erfahrungen und Perspektiven aus unterschiedlichen Lebensbereichen sind unglaublich wertvoll für uns Politiker*innen, um verschiedene Seiten gesellschaftlicher Herausforderungen besser beleuchten und angehen zu können. Einige der Beiträge haben mich wirklich nachdenklich gestimmt. Sie haben gezeigt, wie weit wir noch davon entfernt sind, ein attraktives Einwanderungsland zu sein. Eines kristallisierte sich recht deutlich heraus: mit unserer Bürokratie stehen wir uns selbst im Weg. Zwei Teilnehmende, die für Hamburger Unternehmen Arbeitskräfte aus aller Welt rekrutieren, berichten über den erheblichen bürokratischen Aufwand den es bedarf. Zum Beispiel um eine Arbeitserlaubnis zu erhalten oder die Familie mit nach Deutschland zu holen. Es wurde u.a. von einem Fall berichtet, wo eine Fachkraft Deutschland wieder verlassen hat, weil es zu kompliziert war die Familie herzuholen. Das Unternehmen rekrutiert daher jetzt verstärkt Fachkräfte für seine Standorte in Polen oder auf dem afrikanischen Kontinent. Geschichten wie diese gibt es zu Hauf. Ein weiteres Beispiel des realen Irrsinns lässt sich gerade heute in der Süddeutschen Zeitung hier nachlesen. So darf es nicht weitergehen! Uns entgeht unglaubliches Potenzial, wenn wir es nicht schaffen, von den steifen Strukturen unseres Verwaltungssystems abzusehen. Die Erteilung von Arbeitserlaubnissen, die Anerkennung von Abschlüssen oder eben der Nachzug der Familie ist nicht nur zu aufwändig, sondern dauert auch viel zu lange. Wir müssen dies schneller und einfacher hinbekommen. Andere Länder, die ebenfalls international um Fachkräfte buhlen, sind hier viel effizienter. Wenn wir bürokratische Hürden nicht minimieren, wird Deutschland auf lange Sicht den Kürzeren ziehen.

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