Blog

Tills Tour #3 per Rad durchs Niendorfer Gehege

Da kam ich mal so richtig ins Schwärmen:

„Im am dichtesten besiedelten Bezirk Hamburgs, hier in Eimsbüttel haben wir einen richtigen großen Wald, unser Niendorfer Gehege! Den kenne ich gut und trotzdem habe ich mich schon beinahe mit dem Rad darin verfahren.“ Mit diesen Worten begrüßte ich neben der Niendorfer Marktkirche die vielen Interssierten.

„Na ja, also menschliche Skelette haben wir hier noch nicht finden müssen“, erwidert Susanne Egbers, Vorsitzende des Pro Niendorfer Gehege e.V. lakonisch „und außerdem ist das Gehege kein Wald, sondern ein Forst!

Na denn. Auf geht’s per Fahrrad am Sonntagnachmittag mit 30 Interessierten durch das Niendorfer Gehege:  Tills Tour #3!

Dietmar Kuhlmann, stellvertretender Fraktionsvorsitzender in der Bezirksversammlung Eimsbüttel, wohnt in der Nähe und gibt kompetente Einblicke in die ökologischen, ökonomischen und stadtplanerischen Aspekte dieses Naherholungsgebietes (noch eine Bezeichnung!).

Der erste Halt ist an der Hundeauslaufwiese, ein weitläufiges leicht abschüssiges Areal.

„Hier und nur hier im Niendorfer Gehege ist es erlaubt, Hunde frei laufen zu lassen, im Übrigen herrscht Leinenpflicht“, und Dietmar erklärt auch, warum: „Es gibt hier viel freilebendes Wild, auch Rehe, die es zu schützen gilt.“

„Schade, dass sich viele Hunderhalter*innen nicht daran halten“, kann ich nur bedauernd ergänzen, „die Stadt will und kann nicht überall und immer kontrollieren.“

An dieser Stelle stand übrigens auch die Berenberg-Gossler Villa, die der Eigentümer abreißen ließ, um sie vor der Besetzung durch die Nazis zu bewahren. Eine Gedenktafel erinnert daran.

Weiter geht’s, auch ein Stück auf der Straße Niendorfer Gehege in Richtung Revierförsterei, in die Straße Bondenwald. Hier gab es noch bis vor ca. neun Jahren einen Gewerbehof.  Danach sollte u.a. ein Hotel gebaut werden. Dank der Initiative der Grünen und mit tatkräftiger Unterstützung des Revierförsters konnte dort ein renaturiertes Areal entstehen, in dem Flora und Fauna sich weitgehend ungestört entwickeln können.

Zwei weitere solcher Areale gibt es hier: Baracken und ein Heizhaus wurden abgerissen und die Flächen denaturalisiert.

„Der Förster ist außerordentlich kooperativ,“ betont Dietmar. Und Susanne Egbers bestätigt: „Er hat ausgeprägtes ökologisches Knowhow und einen gutem Sinn für die Kombination aus Nutzwald (Forst) und Naherholungsgebiet. Es werden Bäume, insbesondere Nadelbäume entnommen und dem Klimawandel angepasste Neupflanzungen vorgenommen. Das Holz wir u.a. für die Gestaltung der Spielplätze genutzt

Und wieder auf die Räder!

Vorbei an einer Pferdewiese, an Schrebergärten und über erstaunliche Hügel führt die Fahrt zum Flüsschen Kollau.

„Hier hat sich in den vergangenen Jahren viel getan. Die Kollau war jahrzehntelang sehr eng geführt,“ erklärt Dietmar.“ Das hatte eine hohe Fließgeschwindigkeit zur Folge und damit Auswirkungen auf Pflanzen und Tiere und sie trat wegen der Begrenzung häufig über die Ufer.

Nun wurde das Flussbecken erweitert, der Lauf gewunden, es entstanden Retentionsflächen und der Wanderweg wurde an einigen Stellen vom Ufer entfernt. „Dort entstehen weitere Biotope“, weiß ich zu ergänzen.

An der Stoppstelle baden gerade mit erkennbar großem Spaß kleine Kinder und eine Mutter fragt, wie die Wasserqualität wohl sei. „Gar nicht sooo schlecht“, weiß Dietmar, „Ein kleiner Zufluss der Kollau kommt aus dem Bahrenfelder Industriegebiet. Dort ist die Bodenversiegelung hoch und deshalb gibt es Asphaltabrieb durch den Regen im Straßenverkehr. Sonst ist nichts Auffälliges festgestellt bekannt.“

Die Fahrt geht nun zurück zur Straße Niendorfer Gehege. „Ein bezirkspolitscher Dauerbrenner“, so Dietmar. „Heute ist es ja noch ruhig, Ihr müsst die Straße im Alltag mal erleben: Sie ist voll von Durchgangs- und Parksuchverkehr! Besonders, wenn Tannenbaum- und Wildfleischverkauf stattfinden. Neben der Lärmbelästigung trennt die Straße auch das Naherholungsgebiet. Dadurch wird ein Austausch der Vegetation und der Tierwelt verhindert.“

„Es gibt viele Ideen dazu und im Herbst werden wir einen Antrag in der Bezirksversammlung auf den Weg bringen, mit dem ein Versuch gestartet werden soll: Eine Sperrung zwischen den beiden Parkplätzen am Waldcafé. Das kann dann von beiden Seiten erreicht werden.“

„Man kann das Niendorfer Gehege übrigens auch per Fahrrad und mit dem ÖPNV erreichen“, wirft Susanne Egbers ein.

Auf zur nächsten, der letzten Station:

An der Mutzenbecher Villa empfängt uns Andreas Reichel, der Vorsitzende des Vereins “Werte erleben e.V.“.

„Im August können wir endlich die Eröffnung feiern. Natürlich leider nur mit geladenen Gästen im Freien und mit Hygienekonzept“, sagt er und es ist spürbar, dass er lieber mit vielen, vielen Menschen das große Ereignis feiern würde. Eine lange Geschichte hat die Villa bis jetzt, bis die Renovierung fertig ist, hinter sich gebracht. Ursprünglich der Landsitz des Versicherungsdirektor Mutzenbecher, wurde sie nach dem zweiten Weltkrieg von obdachlosen Familien und später von Einzelpersonen bewohnt. Der letzte Bewohner wollte so lange bleiben, bis sich für die vom Abbruch bedrohte Villa eine gemeinnützige Zweckbestimmung gefunden hat, nun wird er als Hauswart weiter dort wohnen können. „Gegen vielerlei Widerstände haben wir es geschafft- und ich muss sagen, erst die Beteiligung der Grünen im Senat haben das Projekt entscheidend vorangebracht“, sagt Andreas Reichel. „Die denkmalgerechte Sanierung war sehr aufwendig, aber es hat sich gelohnt!“

Nun entsteht hier eine Bildungs- und Begegnungsstätte, die von vielen genutzt werden soll. Diverse Kooperationpartnerschaften sind schon entstanden: Ein Yogakurs, das Fortbildungsinstitut für Lehrer*innen, die umliegenden allgemeinbildenden Schulen, die Landesmusikschule werden hier Platz für Angebote finden.  „Eine Wald- Kita wird hier ihr Gemüse, das die Kinder in den Ramckes Saisongärten in Eidelstedt gezogen haben vor Ort kochen“, sagt Andreas Reichel „eigene Angebote werden wir nicht machen. Wir bieten den Raum und die wunderbare Lage. Wer möchte, kann das Haus sehr gerne nach Absprache mit maximal 5 Personen besichtigen.

Sebastian Dorsch aus der Bezirksfraktion lobt das außerordentlich große Engagement der Ehrenamtlichen in diesem Projekt und dankt unter Applaus der Anwesenden stellvertretend Andreas Reichel dafür.

Da fällt mir ein: „Hier wurde auch eine Folge des „Tatortreinigers“ gedreht.“

Hier endet Tills Tour #3. Alle haben Neues gesehen gehört, auch diejenigen, die sich niemals hier verlaufen würden.

Ich kann nur noch sagen: „Danke für das große Interesse und die kompetente Führung von Dietmar mit Ergänzungen durch Susanne Egbers. Tills Tour#4 wird am 31. Juli 2021 um 15 Uhr in die Eidelstedter Feldmark führen. Treffpunkt Parkplatz beim Waldcafé Corell. Um Anmeldung auch dafür wird gebeten

Diesen Beitrag teilen

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.