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Tills Tour #1

Endlich wieder persönlich vor Ort! Nach virtuellen Tills Talks wird nun durch den Bezirk getourt. 

Mit Ali Mir Agha dem Vorsitzenden der Grünen Bezirksfraktion Eimsbüttel habe ich mir gemeinsam mit interessierten Bürger*innen ein Bild über die aktuelle Situation der sozialen Einrichtungen in Schnelsen Süd gemacht.

Bei bestem Sommersonnenwetter trafen wir uns alle vor dem Jugendclub Schnelsen, Graf-Johann-Weg.

„Spießer wurden wir genannt! Das muss man sich mal vorstellen!“ Catarina Gomes Pereira und Said Saad berichten, dass einige ältere Jugendlichen des „Gettos“ die AHA-L-Hygienemaßnahmen überflüssig fanden und wegblieben. Einige Eltern ließen aus Vorsicht ihre Kinder und Jugendlichen nicht in den Club. Die Corona-Ansteckungsrate hier im Viertel ist hoch, es gab auch Tote. „Aber wir sind froh, dass wir unser Angebot aufrechterhalten können.“

Die Familien hier sind von Arbeitslosigkeit, Diskriminierung, Drogenproblemen betroffen und die Kinder und Jugendlichen brauchen Ansprache, Kontakte untereinander und Entspannung, Spiel, Spaß miteinander außerhalb von Schule und Familie. 

„Wir haben viele Ideen für die Zukunft: Eine Kooperation mit der Julius-Leber-Schule, eine Öffnung am Sonnabend“, Said Saad freut sich auf Neues und darauf, dass ein harter Kern immer da ist: „Da geht dann auch richtig gute Beziehungsarbeit. Unsere Arbeit lohnt sich für jeden und jede Einzelne!“

Ich war begeistert von dem freundlichen Ambiente der Räume und dem erkennbaren persönlichen Engagement der Beiden, die diesen Jugendclub seit über 17 Jahren betreiben.

http://jugendclub.schnelsen@hakiju.de

Weiter ging es zum „Projekt 38“, dem von der Lawaetz-Stiftung betreuten Zusammenschluss mehrerer Träger im ehemaligen sozialen Brennpunkt Graf-Johann-Weg/ Spanische Furt. Ali Mir Agha berichtete als ehemaliger Quartierentwickler und somit überaus kenntnisreicher Insider von den verschiedenen Einrichtungen, die hier Begegnungen schaffen für alle Generationen, Geschlechter, Ethnien und Kulturen.

„Nicht zu unterschätzen: Ein guter Kiosk-Betreiber leistet beste Sozialarbeit“, sagt Ali mit Blick auf den Vorplatz des „Bistro NUDEM“ wo sich mehrere verschiedener Generationen Männer zu einem sonnigen Klönschnack niedergelassen haben.

http://schnelsen-sued.de/projekt-38

Tills Tour führte weiter zum Freizeitzentrum Schnelsen. Unterwegs bekamen die Interessierten immer mal wieder Insider-Infos von Ali: Ecke Heidlohstraße/ Graf-Johann-Weg baut die „Alsterdorf Assistenz West“ ein neues Wohnhaus für Menschen mit Assistenzbedarf aller Generationen. Ali verrät, wie es über das Finanzierungskonzept gelingen konnte, einzelne kleine, abgeschlossenen Wohnungen statt der bisherigen Gemeinschaftsunterbringung zu planen.  

https://www.alsterdorf-assistenz-west.de/regionen/burgwedel-schnelsen-niendorf/schnelsen/heidlohstrasse

Die Endstation der Tour war früher die der Straßenbahnlinie 2. Auf dem Gelände des Straßenbahndepots baute der Bezirk vor ca. 30 Jahren das Freizeitzentrum Schnelsen. Martina Polle und Tina Kirchberger begrüßten die Teilnehmenden gut gelaunt und voller Optimismus: „Der Sommer kann kommen, wir freuen uns, unsere Angebote wieder anfahren zu können!“

Das vielfältige Programm aus eigenen Kursen und Veranstaltung, Vermietungen und externen Nutzungen war durch Corona fast zum Erliegen gekommen. Kreative Formate wie der Podcast „Endstation Schnelsen, bitte einsteigen“ 

https://www.fz-schnelsen.de/podcast-fzs

entstanden und auch Onlineangebote wurden genutzt.

In Kooperation mit der „Tafel Norderstedt“ konnte unter Hygienemaßnahmen die Lebensmittelausgabe donnerstags fortgeführt werden. Seit sechs Jahren gibt es dieses Angebot mit beängstigend steigender Nachfrage.  

Hier ist auch unser Mitglied im Sozialausschuss der Bezirksversammlung, Ananda Rupasinghe vor Ort aktiv. „Es kommen derzeit jede Woche etwa 100 bedürftige Familien! Wir bekommen unsere Lebensmittel zwar von der ‚Tafel‘, nehmen aber auch gerne Spenden von Bürger*innen an“.

http://www.tafel-norderstedt.de/seite/430029/hamburg-schnelsen.html

„Wenn wir uns etwas wünschen könnten, “ sagt Martine Polle, „dann wäre es mehr Barrierefreiheit. Unsere Kurse finden fast alle im Obergeschoss statt und viele Ältere kommen die Treppe nicht hoch.“

Nach dieser spannenden Tour zeigen sich die Teilnehmenden beeindruckt von dem hohen Bedarf an sozialer Unterstützung im Stadtteil. Mein Fazit: Live ist einfach besser als digital! Diese Einblicke vor Ort haben mich nachhaltig von der großartigen, engagierten Arbeit der Mitarbeitenden in den Einrichtungen überzeugt. 

Ali Mir Agha meint: „Das ist besonders bemerkenswert, weil die Arbeitsbedingungen wegen der immer nur kurzfristig gesicherten Finanzierung durch die Sozialbehörde als prekär zu bezeichnen sind“. 

Wir sind gespannt auf Tills Tour #2 in Eidelstedt am 19. Juni 2021! (Wieder mit Anmeldung und Hygienekonzept und hoffentlich ohne Regen.)

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