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Grünes Männermanifest: Zehn Jahre alt und aktueller denn je

Es ist jetzt zehn Jahre her, dass 21 Grüne Männer das Grüne Männermanifest veröffentlichten. Ich war damals dabei.

Wir haben uns zu Wort gemeldet, weil wir fanden, dass die Gleichstellungsdebatte auch uns Männer angeht. Echte Gleichstellung ist nur zu erreichen, wenn die Männer mitmachen. Und wir waren überzeugt: Männer haben dabei viel zu gewinnen.

Der neue Mann

Damals gab es die ersten Vätermonate, eingeführt von Ursula von der Leyen, die damals Familienministerin war. Wir haben uns gefragt, ob schon ein paar Wochen Elternzeit den neuen Mann machen (Antwort: Nein), sahen das aber als wichtigen Einstieg in eine fairere Aufteilung von Elternsein. Seitdem ist ja auch einiges passiert: Elternzeit wurde ausgebaut, Kinderbetreuung wurde immer besser und wir habe eine zeitweilig breite Debatte über Frauen in Führungspositionen erlebt.

Wichtig war uns auch, auf die Seiten zu gucken, wo es Männern schlechter geht. Die geringere Lebenserwartung gibt einen Hinweis darauf, dass Männer und Gesundheit ein wichtiges Thema ist.

Als Grüne Politiker haben wir deutlich gemacht, dass es für uns selbstverständlich ist, in quotierten Gremien zu sitzen und dass wir dadurch für uns auch neue Männerrollen im politischen Betrieb entdeckt haben.

Längst überholte Rollenmuster

Was zeigt uns der aktuelle Blick auf die Gleichstellungsdebatte? Ich finde, es ist aktueller denn je.
Unsere Gesellschaft reagiert auf die Bedrohung durch das Virus mit dem Verweis auf längst überholte Rollenmuster: Eltern mögen doch bitte mal eben für ein paar Monate die Betreuung ihrer Kinder übernehmen. Betroffen sind davon – mal wieder – viel stärker Frauen als Männer, weil sie nach wie vor einen größeren Anteil an der Betreuung übernehmen. Aber eben auch Väter, wenn sie selbst Familienaufgaben übernommen haben.

Plötzlich sind die gesellschaftlichen Lasten sehr ungleich verteilt. Es erinnert sehr an die Zeit Anfang der 1980er-Jahre, als Alleinerziehenden entgegen gehalten wurde, dass sie doch selber schuld an ihrer Lebenssituation seien.

Männerwettbewerb ums Kanzleramt

Wir haben uns in unserem Papier damals positiv auf unsere Erfahrungen bezogen, auf politische Arbeit, die gleichberechtigt von Frauen und Männern getragen wird. Die Grünen waren damals Vorreiter. In der Zwischenzeit haben Frauen auch in anderen Parteien an Einfluss gewonnen. Doch auf einmal ist etwas ganz seltsames passiert: Um die Nachfolge von Angela Merkel bewerben sich plötzlich fast nur noch Männer. Annalena Baerbock ist die einzige Frau, die noch im Rennen ist. In der Union läuft das Duell zwischen Laschet und Söder (Merz und Röttgen – auch Männer – zähle ich jetzt mal nicht mit). In der SPD läuft jetzt doch alles auf Olaf Scholz hinaus. Das illustriert schon sehr gut, wie weit wir in Gleichstellung 2020 gekommen sind, wenn es hart auf hart kommt.

Und das in einer Situation, in der deutlich wird, dass uns mehr weibliche Führungsfiguren gut tun würden. Toxische Männlichkeit gefährdet die Gesundheit ganzer Nationen (Trump), während nicht wenige Länder, die von Frauen geführt werden, besser da stehen. Das heißt natürlich nicht, dass Männer das nicht auch gut können. Es heißt aber, dass wir mehr lernen können, wenn wir Diversity fördern und unterschiedliche Strategien erleben können.

Und auch das Thema Männergesundheit ist wieder sehr deutlich auf der Tagesordnung: Die Corona-Krise zeigt, dass Männer deutlich öfter an dem Virus sterben. Hier schlägt sich genau das nieder, was wir damals festgestellt haben: Männer leben ungesünder und haben weniger Raum, krank zu sein.

Also, Männers: Lasst uns weiter an dem Thema arbeiten. Das ist gut für die ganze Gesellschaft und gut für uns!

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