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#ortsgespräche im Spätsommer

Ich verabschiede mich jetzt in die Sommerpause. Ich will jedoch schon mal Lust auf die nächste Auflage meiner #ortsgespräche machen:

Am 12. August geht es los mit einer Veranstaltung zum Containern. Mich haben wirklich sehr viele Leute sehr positiv auf diesen Vorstoß angesprochen. Meine Forderung, die Entnahme von brauchbaren Lebensmitteln aus Müllbehältern nicht mehr unter Strafe zu stellen, fand öffentlich sehr große Unterstützung. Nicht jedoch bei meinen Kolleginnen und Kollegen von der CDU und CSU, die auf der Justizministerkonferenz die Mehrheit stellen. Ich lasse bei dem Thema nicht locker! Bei der Veranstaltung möchte ich mit meinen Gästen darüber sprechen, wie es weitergeht.

Ganz besonders freue ich mich auf meine Veranstaltung am 2. September. Zu Gast ist an dem Abend Hans-Peter de Lorent. Er ist ein Urgestein der bildungspolitischen Debatte und war bis 2015 in Hamburg Hauptseminarleiter in der Lehrerausbildung und Leitender Oberschulrat in der Schulbehörde. Er hat sich sein Leben lang an den Autoritäten im Schulwesen gerieben. In seinem Ruhestand fand er Zeit, ein Projekt abzuschließen, das sein Herzensanliegen ist: Unter dem Titel „Täterprofile“ hat er sich mit den Verantwortlichen im Hamburger Bildungswesen während der NS-Zeit auseinandergesetzt. Mit Herzblut ist er dabei, weil es in seiner Schulzeit genau die Lehrer waren, die nach kurzer Reuephase als entnazifiziert galten und doch noch voll von Nazi-Haltungen waren.

Die Arbeit ist sehr wichtig und reiht sich damit ein in die Betrachtung der Kontinuitäten zwischen NS-Zeit und Nachkriegszeit, der sich in den letzten Jahren viele Institutionen unterzogen haben. Besonders beeindruckt bin ich vom Rosenburg-Projekt, das nachzeichnet, wie Beamte aus dem früheren Reichsjustizministerium an wichtige Schaltstellen im Bundesjustizministerium gelangten und von dort entscheidend die rechtliche Aufarbeitung der NS-Zeit prägten. So wurde durch wundersame Weise – versteckt im Anhang zu einem anderen Gesetz – die Verjährung für sämtliche Schreibtischtäter – also jenen Beteiligten an den Nazi-Morden, die durch die Planung usw. mitwirkten – mit Beschluss des Gesetzes herbeigeführt.

Der Blick auf diese Kontinuitäten ist so wichtig, weil er erkennen lässt, wo vermeintliche bundesrepublikanische Normalität tatsächlich ihren Ursprung in der Nazi-Zeit hat. Nur wenn wir das erkennen, können wir uns davon frei machen. Auch in Hamburg hatte die Wanderausstellung Station gemacht.

Gleichzeitig hilft diese Auseinandersetzung auch dabei, der Banalisierung der Nazi-Zeit durch die AfD entgegenzutreten. Sie will das autoritäre Gesellschaftsbild zum Normalfall machen. „Normal“ ist aber bei uns die Orientierung an den Werten des Grundgesetzes. Dazu gehört die durchgreifende Demokratisierung aller Lebensbereiche, die auch nach 1949 noch Jahrzehnte brauchte, um auch in den Schulen anzukommen.

Die AfD greift die demokratische Schule an, wenn sie – wie das am Beispiel der Ida-Ehre-Schule durchexerziert wurde – gegen die politische Willensbildung von Schüler*innen polemisiert. Die jungen Menschen zu mündigen Demokrat*innen zu erziehen – das ist jedoch genau der Auftrag des Grundgesetzes.

Wir wollen uns an dem Abend im Schwerpunkt mit der Geschichte der Schulen in Eimsbüttel beschäftigen. Ich bin sehr gespannt!

 

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